Chronik des Vereins

(Rede der stellvertretenden Vorsitzenden Dorothea Fink anlässlich des 10-jährigen Vereinsjubiläums im April 2011)


10 Jahre - was ist das schon? Für die Hospizbewegung ist dies schon ein Grund zu feiern, da der Hospizgedanke erst in den 70-iger Jahren in Deutschland durch die Veröffentlichung der Schriften von Frau Dr. Kübler Ross publik wurde und sich erst nach und nach in Deutschland etablierte.

In meiner Jugend, mit 15 habe ich die ersten ehrenamtlichen Einsätze in einem Krankenhaus übernommen. Seit dem beschäftige ich mich mit kranken, immobilen und vor allem sterbenden Menschen, nicht nur beruflich, sondern vor allem ehrenamtlich. Die Lebensqualität in schwierigen Lebenslagen ist mir zum Anliegen geworden. "Hoffnung" wollte ich diesen Menschen geben, nicht nur durch medizinische Therapien und Techniken, sondern durch Zuwendung, durch Zeithaben, Dasein! So manchem Bewohner in Altenpflegeheimen und Patienten zu Hause, aber auch deren Angehörigen, konnte so in schwierigen Lebenssituationen beigestanden werden. Das ist meine Intuition für die Hospizarbeit -und war dies schon lange vor der Gründung des Hospizvereins Eckental.

Im Jahr 2000 bin ich mit Frau Barbara Maier vom Seniorenbeirat ins Gespräch gekommen über meine Einsätze und sie teilte mir mit, dass der Seniorenbeirat Eckental über die Thematik " Hospizarbeit in Eckental" diskutiert hat. "Jetzt ist es so weit" dachte ich. Es kam zur Zusammenarbeit: Wir besprachen im Vorstand des Seniorenbeirates, 1. Vorsitzender war damals Altbürgermeister Georg Hänfling, die Voraussetzungen einer Vereinsgründung. Wichtige Gesprächspartner waren dort für mich vor allem Frau Ruth Dorschner und Herr Ingo Gerstenhauer. Mit Unterstützung des Hospizvereins Erlangen, der heute Abend auch vertreten ist, planten und wagten wir den 1. Grundkurs: Erfreulicherweise konnten wir bereits im September 2000 mit 19 Teilnehmern den ersten Hospizhelfer-Ausbildungskurs beginnen. Aus diesem 1. Seminar sind heute noch bei uns aktiv - also seit 10 ½ Jahren: Heidi Engelhardt, Dorothea Horlamus, Waltraud Jabusch und Jutta Spiegel.

Nachdem Herr Gerstenhauer die schwierige Aufgabe der Erstellung einer Satzung vollendet hatte, kam es dann am 21. März 2001 zur Gründung des Hospizvereins Eckental. Und am 24.10.2001 wurde der Hospizverein Eckental mit der in der Gründungsversammlung beschlossenen Satzung im Vereinsregister eingetragen. 35 Bürgerinnen und Bürger sind spontan beigetreten. Seit dieser Zeit haben wir, der Vorstand des Hospizvereins, die Beiräte und vor allem unsere aktiven Hospizhelfer, im Verein eine enorme Entwicklung erlebt.

In 6 Grundkursen wurden 90 Hospizhelfer ausgebildet. Die jetzigen Schulungen werden immer mehr durch die vom Verein in den Hospizakademien qualifizierten eigenen Mitarbeiter ehrenamtlich geleistet. Diese Ausbildungen sind uns nur möglich, durch die finanzielle Unterstützung unserer heute 210 Mitglieder und den Firmen, die die Hospizidee unterstützen.

In seiner Tätigkeit hat der Vorstand immer die Ziele des Vereins vertreten und die finanziellen Richtlinien eingehalten. Es fanden bisher 57 Vorstandssitzungen statt, sowie jährlich eine Beiratssitzung und eine Mitgliederversammlung, die regelmäßig sehr gut besucht war.

Durch die aktivePressearbeit ist es uns gelungen, die Hospizidee, den Gedanken an Tod und Sterben in unseren Gemeinden wieder deutlicher, bewusster zu machen. Dazu trägt auch unser Einsatz in den Schulen, besonders im Gymnasium, bei. Unsere Aktivitäten bei den Sommerfesten und auf den Weihnachtsmärkten bereitet unseren Helfern viel Mühe, aber es ist uns wichtig, präsent zu sein!

Einen Schwerpunkt bildet die Beratung zur Patientenverfügung, zur Vollmacht und zur Betreuungsverfügung. In vielen öffentlichen Veranstaltungen haben wir diese Thematik vorgestellt und in Einzelgesprächen die zu Beratenden informiert. Der Hospizverein Eckental hat zur Zeit 4 aktive, hier für ausgebildete Hospizhelfer. Die ständige Fortbildung dieser Berater für diesen Bereich ist für uns selbstverständlich, da die medizinischen und rechtlichen Vorschriften und Möglichkeiten in reger Diskussion sind und laufend Veränderungen bewirken.

Eine wichtige Entwicklung in der Hospizarbeit ist die palliative Versorgung der Bevölkerung. Dies ist die bestmögliche Symptombehandlung bei schwerstkranken und sterbenden Menschen. Dabei werden vor allem Angst, Schmerz und Übelkeit gemindert. Damit ist die Begleitung und Versorgung von schwerkranken und sterbenden Menschen in vertrauter Umgebung, zu Hause, möglich. Dies erfolgt in Zusammenarbeit von Hausarzt, Sozialstation und dem Hospizverein. Wir sind seit 2010 durch eine Kooperation mit der der spezialisierten ambulanten Palliativ Versorgung für Erlangen und dem Landkreis Erlangen-Höchstadt, der Palliavita gGmbH., verbunden. Durch unsere 3 Palliativ Care Fachkräfte sind wird auch auf diesem Spezialgebiet leistungsfähig.

Die palliative Versorgung bringt uns allen die Hoffnung unsere letzten Tage in Würde erleben zu können.

In der Präambel unserer Satzung heißt es: "Der Hospizverein Eckental e.V. nimmt sich der Bedürfnisse und Nöte schwerkranker und sterbender Menschen und ihrer Angehörigen an. Hospizarbeit bedeutet das zugewandte und achtungsvolle Begleiten von Menschen in der Endphase ihres Lebens. Das schließt die Respektierung von Selbstverantwortung und Mündigkeit der Betroffenen mit ein. Im Sinne der Hospizidee soll menschenwürdiges Sterben in vertrauter Umgebung ermöglicht werden. Das Sterben wird dabei als ein Teil des Lebens betrachtet, der weder verkürzt noch künstlich verlängert werden soll. Dies schließt aktive Sterbehilfe aus." Dem fühlen wir uns verantwortlich!

Alle unsere Aktivitäten in der Begleitung , bei den Trauergesprächen, im palliativen Bereich und in der Beratung zur Patientenverfügung verfolgen die Ziele unserer Satzung - dies,- um allen die es wünschen,- Lebensqualität bis zum Ende zu ermöglichen. Der Hospizverein Eckental erinnert daran, gerade heute, in der so materialistisch orientierten Gesellschaft, wieder zu erkennen, dass der Tod zum Leben gehört und nicht ausgegrenzt werden kann.

In einer Karikatur steht der Tod in Gestalt eines Sensenmanns wie ein Vertreter vor der Wohnungstür, durch deren Spalt ihn die Hausfrau mit den Worten abwimmelt: "Danke wir sterben nicht!" Diese Karikatur bringt auf den Punkt, was schon Sigmund Freud feststellte: "Im Grunde glaubt niemand an den eigenen Tod!" Aber - es ist wichtig den Tod ganz hoffnungsvoll und bewusst- als natürlichen Teil des Lebens anzuerkennen. In der Hospizarbeit setzen wir uns immer wieder mit diesem Gedanken auseinander - in unseren Gesprächsrunden, in den Supervisionen und vor allem in den Begleitungen.

Sehr geehrte Damen und Herren, unsere Ziele erreichen wir durch den Einsatz unserer 34 engagierten Hospizhelfer, die in 2010 3.900 ehrenamtliche Stunden in ambulanten und stationären Bereichen geleistet haben. Dazu kommen noch mehr als 1000 Stunden im Bereich der Organisation im Büro, auf den Märkten, bei Beratungen. 72 Personen wurden in 2010 von uns betreut, bei 32 Familien durften wir über den Tod hinaus begleiten. Diese Einsätze werden von unserer Koordinatorin Frau Frieda Meier, die seit 01.10.2010 bei uns beschäftigt ist, organisiert. In der Koordinatorenstelle sind umfangreiche administrative Arbeiten für die Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände und Krankenkassen zu erledigen. Als Beispiel erwähne ich nur die Dokumentation und die Auswertung unserer Einsätze.

Wir arbeiten heute mit dem Diakonischen Zentrum Eckental, dem Gründlach Park in Heroldsberg, Skt. Michael in Gräfenberg, dem Caritas Pflegeheim in Neunkirchen am Brand zusammen. Und, wie schon erwähnt, intensivieren wir gerne die Zusammenarbeit mit Palliavita, der spezialisierten ambulanten palliativen Versorgung. 90 % aller Menschen möchten zu Hause sterben, - und nur 10 - 15 % haben die Möglichkeit! Diese Situation gilt es zu verbessern. Durch die enge Vernetzung mit Palliavita bieten wir jedem die Chance daheim, im privaten Umfeld, die letzten Stunden zu erleben. Dies mit der Unterstützung durch unsere Hospizhelfer. Gerne informieren wir sie auch heute Abend im anschließenden Beisammensein - im Einzelgespräch - über diese Thematik.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Das Motto unserer 10 Jahresfeier haben wir mit Bedacht ausgewählt. Es heißt schlicht und einfach: Hoffnung. Ohne Hoffnung sind wir verloren. Hoffnung hat meines Erachtens viel mit Perspektiven für die Lebensqualität zu tun, mit realistischen Zielen. Professor Dr. Traugott Roser hat uns das Thema sehr anschaulich vor Augen geführt. Danke Traugott!

Ich wünsche Ihnen Hoffnung für die Zukunft und Gottes Segen.
Vielen Dank!

Dorothea Fink (Stellvertretende Vorsitzende)